Persönliches

Die sozialen Medien und ich – eine Hassliebe!

01/03/2018

Einfach ich selbst zu sein, der Mensch zu sein, der ich bin und nicht jemand sein zu wollen, den andere gerne in mir sehen würden, erscheint mir in Zeiten der sozialen Medien schwieriger denn je zu sein. Und überhaupt entwickeln sich Facebook und Instagram immer mehr zu Plattformen, auf denen es keine Rolle mehr spielt, was für eine Person ich bin, ob ich freundlich bin, kreativ, selbstverwirklichend, zielstrebig. Was wirklich zählt sind die Anzahl meiner Follower, dass ich mindestens einmal im Monat ein ausgefallenes und kostspieliges Gewinnspiel starte, unbekannte und namenhafte Sponsoren gewinne und in beinahe jedem Post teure Marken präsentiere. Das klingt für dich ein wenig übertrieben? Vielleicht, aber ich bin mir sicher, du weißt worauf ich hinaus möchte.

In den letzten Wochen und Monaten beobachte ich in den sozialen Medien einen merkwürdigen Trend, der mir sowohl Bauchschmerzen, als auch Kopfzerbrechen bereitet. So steigt die Anzahl derer, denen Authentizität bei weitem nicht so wichtig ist, wie die Anzahl an Followern. Doch zu welchem Preis?

Es werden teure Abonnements gekauft und mehrere Stunden darin investiert, andere Accounts zu abonnieren, um diesen nach erfolgten Rück-Abonnement wieder zu entfolgen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie groß oder klein, die andere Seite ist und auch die Thematik mit der sich der andere Account beschäftigt, scheint eher nebensächlich zu sein. Hauptsache man gewinnt in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Follower. Denn nichts verkauft sich besser beim zukünftigen Sponsoren, als eine große Anzahl an Followern.

Dieses Verhalten empfinde ich vor allem gegenüber kleineren, noch mit Liebe und Leidenschaft geführten Accounts ziemlich unfair. Es ist außerdem ein Betrug an den ehrlichen Followern und wie ich finde, auch ein Betrug an den Unternehmen, von denen man sich Kooperationen erhofft. Denn Firmen versprechen sich von einer Zusammenarbeit nichts anderes, als die Erschließung eines möglichen neuen Käuferkreises für ihre Produkte. Wenn dieser jedoch nicht echt ist, läuft die Werbung ins Leere und der Sponsor zieht keinerlei Nutzen daraus. Der einzige, der davon profitiert, ist der Mensch hinter dem Account, der kostenlos ein paar Produkte abgreifen konnte.

All diese fragwürdigen Methoden haben zur Folge, dass eines auf der Strecke bleibt, die Authentizität. Für mich gibt es nichts Schöneres, als Texte zu lesen, die mit Sinn und Verstand, mit Hingabe und Herz geschrieben wurden, die mich zum Nachdenken und zum Träumen einladen. Ich habe wenig Freude daran in jedem zweiten Beitrag das Wort „Anzeige“ zu lesen und dann Produkte präsentiert zu bekommen, die nichts mit der Thematik zu tun haben, die mich ursprünglich dazu veranlasst haben, dem Account mein Abonnement zu geben. Was nicht heißen soll, dass ich generell etwas gegen Werbung habe, solange sie sinnvoll und vor allem ehrlich ist.

Authenticity is a collection of choices that we have to make everday. It’s about the choice to show up and be real. The choice to be honest. The choice to let our true selves be seen. ~ Brene Brown

 

Mit diesem Zitat im Kopf habe ich mich in den letzten Wochen bewusst aus den sozialen Medien zurückgezogen, um den Kopf frei zu bekommen und mir zu überlegen, wie es fortan weitergehen soll. Mein Account soll Spaß machen, inspirieren, zum Nachdenken anregen und einen Austausch mit anderen Reitsportbegeisterten ermöglichen. Ich möchte keine Seite mit platten Beiträgen und nie enden wollenden Werbeanzeigen führen.

Ein kompletter Ausstieg aus den sozialen Netzwerken kommt für mich als Blogger jedoch nicht in Frage. Facebook und Instagram sind nichts anderes als große Werbeplattformen und ich möchte diese auch weiterhin als solche nutzen, für mich selbst, um für meinen Blog Werbung zu machen, denn nur so finden Menschen, den Weg auf meine Webseite. Ich werde jedoch künftig unbeschwerter und zwangloser an meine Beiträge heran gehen, auf die Qualität und Authentizität meiner Posts achten und lieber mal einen Tag lang nichts von mir hören lassen, als irgendetwas zu schreiben, was ich nicht bin, was nichts mit mir zu tun hat und mit dem ich mich nicht identifizieren kann.

Die Anzahl meiner Follower ist mir nicht wichtig, ich schätze vielmehr die ehrlichen Menschen, die mir folgen, weil sie sich für meine Geschichten und für meine Person interessieren und zwar so, wie ich bin und nicht weil ich mich verbogen habe eine Person zu werden, die von allen gemocht wird. Ich denke, dass ist eine Entwicklung mit der ich gut leben und vor allem beruhigt schlafen kann, denn nichts hat mir in den vergangenen Wochen mehr Kummer bereitet, als das Gefühl nicht mehr ich selbst zu sein.