Persönliches

Es geht wieder los

02/27/2017

Die Winterzeit ist vor allem für uns Outdoor Reiter nicht besonders leicht. Die Reitplätze sind zugefroren und die Lieblingsreitwege sind meist nach kurzer Zeit glatt getrampelt und nicht mehr bereitbar. Über kurz oder lang bleibt vielen nichts anderes übrigen, als sich dem Kampf gegen Schnee und Eis geschlagen zu geben und dem Pferd wie sich selbst eine Pause zu gönnen. Zu eben jenen Reitern gehöre auch ich. Denn eine Reithalle gibt es an unserem Stall nicht. Das ist jedoch nicht schlimm, denn wie bereits mehrfach erwähnt, bin ich ein Freund davon, jungen Pferden nach einem anstrengendem Jahr des Lernens auch mal eine Auszeit zu gönnen. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt in dem sich Pferd und Reiter gleichermaßen auf die warme Jahreszeit freuen, nach neuen Abenteuern und spannenden Erlebnissen. Das gilt auch für Soley und mich.

Wer mir hier auf meinen Blog oder auch auf meinen Social Media Kanälen folgt, wurde mehrmals Zeuge meiner Versuche mich mehr oder weniger engagiert mit dem Winter anzufreunden, doch irgendwie wollte das nicht so wirklich klappen und ehrlich gesagt, habe ich langsam die Nase voll davon zu frieren und zu bibbern.

Als sich vergangene Woche die Sonne dann erstmals aus ihrem Versteck traute, saugte ich die warmen Strahlen regelrecht in mich auf und versuchte so viel wie möglich davon zu tanken. Und mit der Sonne kam auch die Wärme, der Schnee schmolz und ich hatte die Hoffnung am Sonntag endlich wieder den Reitplatz nutzen zu können. Manchmal ist Karma ein mieser Verräter, aber manchmal auch ein sehr guter Freund. Früher als gedacht, war unser Reitplatz aufgetaut und wieder nutzbar und ich konnte meinen frühen Feierabend am Donnerstag kaum erwarten.

Und auch Soley schien das schöne, milde Wetter in vollen Zügen zu genießen. Buckelnd und quietschend galoppierte sie über ihren Paddock und sprühte über vor Lebensfreude und neuer Energie. Ich ließ sie sich noch ein wenig austoben, holte in der Zwischenzeit meine Sachen und bereitete ihr Futter vor, ehe ich sie zum Putzplatz holte, gründlich von losem Fell und Staub befreite und zum longieren fertig machte.

Beim ersten Longieren nach der Winterpause habe ich keine großen Erwartungen in mein junges Pferd. Ich möchte nicht sagen, dass sich Soley an der Longe austoben soll, denn so ist es nun auch wieder nicht, aber ich lege großen Wert darauf, dass sie ihr Tempo – solange es kontrollierbar ist – selbst bestimmen darf. Soley soll erst einmal ankommen, sich entspannen und vorwärts laufen, alles andere erarbeiten wie uns dann Stück für Stück. Ich bin allgemein kein großer Freund davon, mein Pferd zusammen zu schnüren und zu kontrollieren. Die Arbeit mit Tieren ist immer eine Art Geben und Nehmen und man sollte niemals vergessen, dass man es mit einem selbst denkenden Lebewesen zu tun hat. Tiefer möchte ich aber an dieser Stelle erst einmal nicht auf dieses Thema eingehen.

Alles in allem bin ich mit unserer ersten Longenstunde sehr zufrieden. Soley war motiviert und sehr brav. Natürlich konnte sie sich den ein oder anderen Bocksprung nicht verkneifen und galoppierte zwischendurch wie ein kleiner Hase, aber das ist absolut okay, solange sie dabei auf ihre Füße und vor allem auf mich achtet und da kann ich mich wirklich nicht beschweren. Denn hier zeigt sie sich meist von ihrer besten Seite, lässt sich von meiner Stimme beruhigen und hält in unsicheren Momenten lieber inne, als kopflos loszustürmen. Alles andere war an diesem Tag erst einmal nebensächlich.

Samstag und Sonntag legte ich den Fokus dann schon mehr auf die gymnastizierende Arbeit, forderte mehr Konzentration und Aufmerksamkeit. Aber auch hier ließ ich Soley vorher ihre Kreise in ihrem Tempo um mich herum ziehen (ihr könnt euch das ein wenig wie Spazieren gehen an der langen Longe vorstellen), denn meine Erfahrung der letzten Jahre hat mich eines gelehrt, mein Pferd ist viel motivierter und konzentrierter bei der Sache, wenn ich ihr deutlich zeige, dass sie mitbestimmen darf, dass ihre Meinung genauso viel zählt wie meine und das ich durchaus zu Diskussionen bereit bin, solange sie sinnig und angebracht sind.

Trotzdem möchte ich hier noch einmal betonen, dass meine Erfahrung und mein Umgang mit Soley kein Patentrezept für jede Art von Training oder Zusammensein mit Pferden ist. Es ist meine Art, denn Alltag mit meinem Pferd zu gestalten und nur weil etwas bei uns gut klappt, heißt das noch lange nicht, dass es bei euch ebenso funktionieren wird. Hier muss jeder für sich seinen Weg finden. Umso mehr freut es mich, dass ihr uns auf unserem begleiten wollt und ich bin mir sicher, dass ich in diesem Jahr noch ein paar spannende Beiträge für euch schreiben werde.

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