Gesundheit & Haltung

Unser Aufbautraining nach der Winterpause

03/07/2018

Es ist wieder soweit – endlich! – die Tage werden länger, wärmer und allmählich spüren wir Reiter dieses Kribbeln in den Fingern und dieses hibbelige Gefühl im Bauch, dass uns dazu veranlasst, Sattel und Trense auf Hochglanz zu polieren, den Spint auszumisten, um festzustellen, dass sich in den vergangenen Monaten Einiges zusammen gesammelt hat, und die Stiefel zu putzen. Mit anderen Worten, es ist an der Zeit dem Winterblues Adieu zu sagen und unsere Pferde auf den Frühling vorzubereiten.

Aber wie trainiere ich mein Pferd nach dem Winter richtig an?

 
Fit in den Frühling – zu diesem Thema gib es erstaunlich wenig Fachbücher, dafür aber umso mehr Artikel in diversen Zeitschriften, die sich Jahr für Jahr wiederholen und deren Tipps trotzdem nicht richtig funktionieren. Denn eines solltest du immer im Hinterkopf behalten, Pferde sind ganz individuell, keines gleicht dem anderen und was bei dem einen Pferd funktioniert, klappt nicht zwangsweise beim nächsten. Eine schnelle null-acht-fünfzehn Lösung gibt es nicht.

Wenn ich Soley auf die kommende Saison vorbereite, behalte ich also immer im Hinterkopf, dass Muskeln nicht über Nacht entstehen und das es einige Zeit dauern wird, bis sie wieder so fit und sportlich da steht, wie es noch im vergangenen Sommer der Fall war. Muskeln entstehen in den Pausen zwischen dem Training und Muskelaufbau braucht vor allem eines, Zeit. Und auch dein Pferd braucht Zeit, um nach einer längeren Pause wieder in den Alltag als Reitpferd zurück zu finden. Du läufst doch schließlich auch nicht von heute auf morgen einen Marathon.

Zeit, die wir uns nehmen, ist die Zeit, die uns etwas gibt. ~ Ernst Ferstl

 

© Johanna Hertl

In der Ruhe liegt die Kraft

 
Im täglichen Umgang, aber vor allem auch im Training mit meinem Pferd ist es mir besonders wichtig, alles was ich tue in Ruhe und mit sehr viel Zeit zu tun. Wir haben keinen Druck, uns läuft nichts davon. Wir arbeiten uns in kleinen Schritten voran und ich steige auch nicht sofort in den Sattel, sondern arbeite in kurzen Intervallen von 10-15 Minuten an 2-3 Tagen vom Boden aus. Zwischendurch gönnen wir uns immer wieder eine Pause, entspannen uns und genießen die gemeinsame Zeit.

Ein Trainingsplan hilft

 
Bevor ich mit dem Aufbautraining beginne, mache ich mir Notizen und überlege ganz genau, was ich wann an welchem Tag tun möchte. Welche Übungen sind sinnvoll und welche sollte ich für später aufsparen? An welchen Tagen möchte ich meinem Pferd eine Pause gönnen? Hierfür halte ich gerne Rücksprache mit meiner Trainerin, denn sie kennt Soley und mich schon seit ein paar Jahren und hilft mir dabei einen geeigneten Trainingsplan auszuarbeiten.

Abwechslung statt Langeweile

 
Nichts ist so langweilig, als Tag für Tag dasselbe Programm abzuspulen. Daher versuche ich unser Aufbautraining so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Kleine und große Spaziergänge, Longieren, Stangenarbeit, Doppellonge, Equikinetic, Bodenarbeit. Es gibt so vieles, was es sich auszuprobieren lohnt.

Fördern statt überfordern

 
Während des Aufbautrainings beobachte ich Soley übrigens sehr genau. Ich achte auf ihre Körpersprache und ihre Signale, denn ich will sie auf gar keinen Fall überfordern. Daher ist es mir auch so wichtig, zu Beginn nicht länger als 10-15 Minuten mit meinem Pferd zu arbeiten.

Auf dem Boden der Tatsachen

 
Wie schon erwähnt bringen Longieren, Boden- und Stangenarbeit Abwechslung ins Training, es baut zudem Muskeln auf, schon dabei den empfindlichen Pferderücken und fördert außerdem das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. Zu Beginn halte ich übrigens sehr wenig davon, Ausbinder oder andere Hilfszügel zu verwenden. Soley soll sich zunächst ihren Weg nach unten selbst suchen. Hilfszügel sollten außerdem keine Dauerlösung im Training sein, sondern nur temporär und unter Anleitung durch fachkundige Hände zum Einsatz kommen

Was nicht passt, wird passend gemacht

 
Bevor ich mich zum ersten Mal nach der Winterpause in den Satte schwinge, prüfe ich, ob dieser noch passt und lasse bei dem geringsten Verdacht den Sattler meines Vertrauen einen Blick darauf werfen. Sowohl der Muskelabbau, als auch der Muskelaufbau haben Einfluss darauf, wie der Sattel auf dem Rücken meines Pferdes liegt und wie gut er passt. Nur wenn nichts drückt, zwickt oder rutscht, gebe ich meinem Pferd die Möglichkeit zufrieden vorwärts zu laufen und gesund Muskeln aufzubauen.

Die 15 Minuten Regel

 
Nachdem Soley wieder an Muskulatur gewonnen hat, beginne ich mit dem Reiten, aber ich übertreibe es nicht gleich. Auch hier behalte ich die magischen 15 Minuten im Hinterkopf, die ich anfangs nicht überschreiten möchte. Erst wenn ich das Gefühl habe, dass mein Pferd fit ist und locker und zufrieden läuft, beginne ich mit gymnastizierenden Übungen.