Persönliches

Wenn das Hobby zum Spießrutenlauf wird

05/15/2017

Ich kann nur immer wieder betonen, wie froh ich drüber bin eine so tolle und familiäre Stallgemeinschaft um mich zu haben. Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig, sind füreinander da und haben immer ein offenes Ohr für die Probleme des anderen. Leider ist das nicht immer selbstverständlich und oft erinnern mich einige Reitsportanlagen mehr an Laufstege, als an Reitställe. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wären unsere Pferde die Modells und die Reithallen ihre Bühnen. Doch ich bemerke immer häufiger, dass die eigentlichen Stars dieser bizarren Show nicht etwas unsere geliebten Vierbeiner sind, sonder die Reiter auf ihrem Rücken.

Das gemeinsame Hobby Pferd verbindet und schafft hinter den Türen der Ställen eine völlig neue Gemeinschaft in der Menschen mit den unterschiedlichsten Charakteren zusammen treffen und zwangsweise versuchen müssen ihren Platz in der neu geschaffenen Rangordnung zu finden. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wer du bist, woher du kommst und wie hoch dein monatliches Einkommen ist. Betrittst du den Stall, durchschreitest du die Tür zu einer anderen Welt, erlebst sprichwörtlich den Urknall und startest bei Null. Der Startschuss für den Kampf um die Krone hat begonnen, ohne Rücksicht auf Verluste. Und war am Ende noch steht, hat gewonnen.

Mobbing, Zickereien und Intrigen bestimmen fortan das Reiterleben und irgendwie versucht ein jeder, sich seinen Platz in diesem bizarren Gefüge zu erkämpfen. Für viele wird die Ausübung von Macht und Druck zu einem festen Lebensinhalt, denn oft fehlt es privat an Erfolgen und Anerkennung.

Die Gründe für Mobbing sind genauso zahlreich, wie absurd. Du wirst gemobbt, weil du…

  • gut reitest
  • weniger gut reitest
  • ein teures Rassepferd besitzt
  • ein Wald- und Wiesenpony besitzt
  • teure Markenkleidung trägst
  • keine teure Markenkleidung trägst
  • dein Shirt farblich zur Schabracke deines Pferdes abstimmst
  • dein Shirt nicht farblich zur Schabracke deines Pferdes abstimmst
  • dein Pferd nach Trainer X reitest
  • dein Pferd nicht nach Trainer X reitest

Es gibt kaum eine Möglichkeit sich vor Mobbing zu schützen und oft reicht ein kleiner Fehltritt, um eine riesen Welle der Empörung und Schikane loszutreten. Doch es gibt Mittel und Wege Mobbing zu verhindern oder zumindest weitestgehend einzudämmen.

Schau nicht weg!

Verschließe nicht die Augen vor dem, was um dich herum geschieht, denn so machst du dich unweigerlich zum Mittäter. Natürlich ist es bequemer wegzusehen. Du hast deine Ruhe und wirst nicht in die Streitigkeiten hinein gezogen. Aber bist du erst einmal selbst Opfer, würdest du dir doch ein ein bisschen Hilfe und Unterstützungen wünschen!? Deshalb ist es wichtig, dass du die Akteure beim kleinsten Anzeichen von Mobbing zur Rede stellst, um das Opfer zu schützen und die Glut im Keim zu ersticken, ehe sich die Lästereien nach und nach zu einem wahren Selbstläufer entwickeln. Mobbing vergiftet das Stallklima und verwandelt unser geliebtes Hobby in einen wahren Spießrutenlauf.

Meine Erfahrung mit Mobbing

Mobbing kann in vielerlei Formen in Erscheinung treten, eine spitze Bemerkung hier, eine kleine Gemeinheit da. Wir sollten alle dazu beitragen, das Klima in unseren Ställen zu schützen, Mobbing keine Chance zu geben und mögliche Unruhestifter rechtzeitig in ihre Schranken zu weisen, damit unser Hobby auch in Zukunft Spaß macht und wir uns auf das Wesentliche – nämlich unsere Pferde – konzentrieren können.

Während meiner Reitschulzeit musste ich leider am eigenen Leib erfahren, wie hart das Leben als Reiter sein kann. Da wird in der Bahn keinerlei Rücksicht auf Anfänger genommen, hinter den Rücken der Reitschüler gelästert, weil das Pferd während der Reitstunde einen kleinen Rest Stroh im Schweif hatte und wehe dir, wenn du deine Stiefel nicht auf Hochglanz poliert hattest. Richtig machen kannst du leider nur sehr wenig, dafür umso mehr falsch.

Um es also noch einmal zu sagen – ich bin wirklich glücklich mit meinem eigenen Pferd einen kleinen, gemütlichen Stall gefunden zu haben und mir keine Sorgen mehr zu machen brauche, welche Kleidung ich trage oder ob Soley nun eine Rappstute oder ein Fuchs ist. Wir haben zwar keine schicke Reithalle, keine Führanlage und auch kein Solarium, dafür haben wir aber uns, unsere Pferde und eine neue, kleine Familie, die ich niemals mehr missen möchte. Unser gemeinsames Hobby verbindet und genau so sollte es doch auch sein!

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